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Anerkannte Religionsgesellschaft

Anerkannte Religionsgesellschaft oder anerkannte Kirche ist ist in Österreich der vorteilshafteste Status einer Kirche oder
Religionsgemeinschaft und ist im Normalfall nur sehr schwer zu erlangen. Gesetzliche Gundlage ist das Gesetz betreffend die gesetzliche Anerkennung von Religionsgesellschaften (RGBl. Nr. 68/1874).

Einerseits stellt nach Auffassung dieses Autors allein die Tatsache, daß der österreichische Staat überhaupt zwischen anerkannten Religionsgesellschaften/Kirchen, eingetragenen Bekenntnisgemeinschaften, und sonstigen Glaubensgemeinschaften unterscheidet, bereits eine Verletzung des in der österreichischen Verfassung garantierten Gleichheitsgrundsatzes dar.

Andererseits kommen die anerkannten Religionsgesellschaften, eben aufgrund dieses Gleichheitsgrundsatzes, auch in den Genuß von vielen Privilegien, welche die römisch-katholische Kirche aufgrund des Konkordats genießt. Sie können weitgehend frei von staatlicher Einmischung agieren; sie sind, wie auch ihre Kirchengemeinden und sonstigen Einrichtungen, Körperschaften öffentlichen Rechts; sie haben die Möglichkeit, im Rahmen des öffentlichen Schulwesens Religionsunterricht für ihre Mitglieder anzubieten; sie haben Zugang zur Militär- und Krankenhausseelsorge, usw.

Die Ungleichbehandlung infolge dieser Unterscheidung zwischen anerkannte, eingetragenen, und sonstigen Glaubensgemeinschaften wird noch verschärft dadurch, daß immer wieder einzelne Glaubensgemeinschaften aufgrund von politischen und sonstigen Überlegungen den Status der anerkannten Religionsgesellschaft zuerkannt bekamen, welche die ziemlich hohen Hürden laut Anerkennungsgesetz eigentlich gar nicht erfüllen.

Evangelikale Freikirchen haben, ebenso wie viele andere, jahrzehntelang vergeblich versucht, die staatliche Anerkennung zu erreichen; die Anerkennung der Freikirchen in Österreich im Sommer 1013 war letztliche nur dadurch möglich, daß sich fünf Freikirchen zu einem Dachverband zusammengeschlossen haben.

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Apostolisches Glaubensbekenntnis

Das Apostolische Glaubensbekenntnis oder Apostolikum ist eine Zusammenfassung, welche die wichtigsten Inhalte des christlichen (trinitarischen) Glaubens benennt, zum Zweck des liturgischen oder gottesdienstlichen Betens und Bekennens. Es wird von fast allen westlichen Kirchen allgemein anerkannt; in den Ostkirchen ist es fast unbekannt, enthält aber keine Aussagen, die in den Ostkirchen irgendwie umstritten wären.

Hier gibt es den vollständigen Text des Apostolischen Glaubensbekenntnisses.

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Eingetragene Bekenntnisgemeinschaft

Die “eingetragene Bekenntnisgemeinschaft” ist in Österreich ein Mittelding zwischen einer informellen, als Rechtspersönlichkeit überhaupt nicht existierenden, Glaubensgemeinschaft, und den anerkannten Religionsgesellschaften und Kirchen. Sie wurde 1998 eingeführt um zahlreichen Beschwerden von Glaubensgemeinschaften zuvorzukommen, die mit dem Gang vor den Europäischen Gerichtshof drohten, sollte ihnen keine Möglichkeit geboten werden, Rechtspersönlichkeit zu erwerben.

Der Status der eingetragenen Bekenntnisgemeinschaft bietet bei weitem nicht die gleichen Rechte, wie der einer anerkannten Kirche. So ist zum Beispiel die Zugehörigkeit nicht Teil der amtlichen Personenstandsdaten, es gibt keinen Zugang zur Militär- und Krankenhausseelsorge, keinen staatlich bezahlten Religionsunterricht, usw.

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Evangelikal

Evangelikale Christen sind gekennzeichnet durch eine starke Bindung an die Bibel als die verlässliche und maßgebliche Selbstoffenbarung Gottes sowie durch die Betonung der Notwendigkeit einer persönlichen Entscheidung, Jesus Christus zu folgen (Bekehrung, Lebensübergabe). Näheres zu diesem Thema gibt es durch Klick auf Gott Kennen.

Evangelikale halten weitgehend immer noch an den fünf Sola-Aussagen der Reformation fest: sola scriptura (nur die Hl. Schrift ist maßgeblich), sola fidesola gratia und solus Christus (Erlösung erlangen wir allein aus der Gnade Gottes und durch den Glauben an Jesus Christus; kein weiterer Mittler zwischen Gott und den Menschen ist notwendig oder möglich), sowie soli Deo gloria (Gott allein gebührt alle Ehre).

Evangelikale Christen gibt es sowohl in den evangelischen (lutherischen oder A.B. und reformierten oder H.B.) Volkskirchen, wo sie zumeist eine Minderheit darstellen, als auch in den Freikirchen, die mehrheitlich evangelikal geprägt sind. Auch in anderen Kirchen gibt es Gläubige, die man weitgehend als evangelikal einstufen kann (z.B. etliche der Erneuerungsbewegungen oder Movimenti in der röm.-kath. Kirche). Der Begriff „evangelikal“ ist eine Eindeutschung des englischen „evangelical“, da vor allem den Freikirchen die Verwendung des Begriffes „evangelisch“ lange Zeit rechtlich unmöglich gemacht wurde. Evangelikale Christen aus Volkskirchen und Freikirchen arbeiten in der Evangelischen Allianz zusammen – nicht nur in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene und weltweit.

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Evangelisch

Der Begriff evangelisch bezieht sich einerseits auf das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus (weshalb zum Beispiel in vielen, auch katholischen, Ordensgemeinschaften die “evangelischen Räte”, die Tugenden Keuschheit, Armut, und Gehorsam, eine wichtige Rolle spielen), andererseits ist er vor allem im deutschen Sprachraum als Synonym für protestantisch in Verwendung, und bezieht sich damit auf die Kirchen der Reformation.

In Österreich ist die Bezeichnung “evangelisch” fʼür Kirchen und kirchliche Einrichtungen weitgehend für die Evangelische Kirche A.B. und H.B. geschützt, und kann daher nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen von anderen Kirchen und Organisationen verwendet werden.

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Freikirche

Der Begriff Freikirche (und davon abgeleitet freikirchliche Gemeinde) hat zwei wesentliche Definitions-Aspekte:

  • einerseits die Unabhängigkeit von den “etablierten” Volkskirchen, Landeskirchen oder Nationalkirchen, und
  • andererseits die bewußte Freiwilligkeit der Mitgliedschaft, d.h. man wird nicht durch die von Eltern oder anderen veranlaßte Kindestaufe Mitglied, sondern durch eine bewußte Entscheidung als mündiger Mensch.

In Österreich ist Freikirche auch ein Namensbestandteil der staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft Freikirchen in Österreich; allerdings sind nicht alle Freikirchen Teil dieser Religionsgemeinschaft.

Freikirche kann sowohl eine einzelne Gemeinde an einem bestimmten Ort bezeichnen, als auch einen Zusammenschluß von Freikirchen zu einem Bund; freikirchliche Gemeinde ist spezifisch eine einzelne Gemeinde.

Dieser Gemeindeatlas erfaßt ausschließlich Freikirchen, deren Glaubensinhalte mit dem Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis bzw dem Apostolischen Glaubensbekenntnis übereinstimmen; sie stehen damit auf der gleichen Grundlage wie die Katholische Kirche,  die Evangelische Kirche A.B. und H.B., sowie die Mehrzahl der Ostkirchen.

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Gemeinde

Gemeinde, manchmal auch Versammlung, ist die Übersetzung des griechischen Wortes ekklesia im Neuen Testament der Bibel, und bezeichnet die Christus-Gläubigen, die sich an einem bestimmten Ort regelmäßig, normalerweise zumindest am Sonntag, versammeln, um gemeinsam Gott zu loben und zu preisen, durch Gebete und Gesang, und eine Predigt zu einem biblischen Text oder Thema zu hören.

In den Volkskirchen sind Gemeinden zumeist nach geografischem Gebiet organisiert (Pfarrgemeinden), d.h. jeder Gläubige gehört zu der Gemeinde, innerhalb derer Gebietsgrenzen er oder sie wohnt; in Freikirchen ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinde Sache der persönlichen Entscheidung.

Das Neue Testament und die christliche Tradition seit den Zeiten der Urkirche geht davon aus, daß jeder Gläubige Mitglied einer Gemeinde ist, während die Mitgliedschaft in anderen christlichen Organisationen (die sich ja ohnehin erst im Lauf der Jahrhunderte entwickelt haben) nicht generell vorausgesetzt wird.

So wie sich die kirchliche Landschaft aus verschiedenen historischen Gründen enwickelt hat, gehören die meisten Gemeinden organisatorisch zu einer Kirche: einer Konfession oder einem freikirchlichen Gemeindebund. Es gibt aber auch freikirchliche Gemeinden, die organisatiorisch völlig unabhängig sind. Alle christlichen Gemeinden sind jedoch Teil der universellen Kirche, dem Leib Christi, der aus allen Christus-Gläubigen besteht.

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Gemeindebund

Ein Gemeindebund ist ein Zusammenschluß von christlichen Gemeinden, entweder aufgrund einer gemeinsamen Entstehungsgeschichte oder aufgrund einer gemeinsamen Lehrüberzeugung oder Praxis, oft auch geografisch begründet.

So definiert sich zum Beispiel ein Gemeindebund von Baptisten durch die Überzeugung, daß die Taufe nur an Menschen vollzogen werden soll, die als mündige Menschen eine persönliche Entscheidung zur Christus-Nachfolge getroffen haben. Ein Gemeindebund von Pfingstgemeinden definiert sich durch die Überzeugung, daß die Taufe mit dem Heiligen Geist eine auf die Bekehrung folgende geistliche Erfahrung ist.

Andere Bünde sind aus der Missionstätigkeit einer bestimmten Kirche oder eines bestimmten Missionars entstanden und fühlen sich aufgrund dessen verbunden.

Im Gegensatz zu hierarchisch verfaßten Kirchen betonen Gemeindebünde eher die Autonomie der Ortsgemeinden, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben.

Ein verwandter Begriff, der aus dem englischen Sprachraum kommt, ist Denomination, und bedeutet wörlich Bezeichnung, ist also ein Sammelbegriff für Gemeinden mit gleicher Bezeichnung, unabhängig davon, wie er strukturiert ist.

Ein weiterer Begriff, Konfession, wörtlich Bekenntnis, bezeichnet eine kirchliche Institution die durch ein bestimmtes Bekenntnis, ein verbindliches Dokument ihrer Glaubensüberzeugungen, definiert wird (z.B. Evangelische Kirche A.B. = “Augsburgischen Bekenntnisses”, d.h. Lutheraner).

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Landeskirche

Ein vor allem in Deutschland üblicher Begriff, der die evangelischen Kirchen bezeichnet, die im Gebiet eines bestimmten Bundeslandes existieren. Die meisten Landeskirchen in Deutschland sind in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammengefasst.

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Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis

Das Nicäno-Konstantinopolitanum ist eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse des Christentums, das oft in der Liturgie Verwendung findet, wo es (nicht ganz korrekt) als Nicäisches oder Nicänisches Glaubensbekenntnis (lateinisch fides Nicaena) bezeichnet wird. Die Katholische Kirche nennt es in der Liturgie das Große Glaubensbekenntnis.

Das Nicäno-Konstantinopolitanum ist dasjenige christliche Bekenntnis, das in der Ökumene am zweitweitesten anerkannt ist (nach dem originalen Bekenntnis von Nicäa). Es wurde von der christlichen Kirche seit 451 autoritativ bezeichnet und ist es seither geblieben.

Es bildet es eine Basis des römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen und protestantischen Glaubens.

Hier gibt es den vollständigen Text des Nicäno-Konstantinopolitanum.

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Staatskirche

Eine Kirche, die in einem speziellen Verhältnis zum Staat steht. Beispiele wären die Kirche von Schweden, eine lutherische Kirche, oder die Kirche von England (Anglikanische Kirche). Diese Kirchen genießen eine privilegierte Stellung, sind aber auch mehr oder weniger von der Politik des jeweiligen Landes abhängig. So schlägt zum Beispiel in England die Königin auf Empfehlung des Premiers die beiden Erzbischöfe; viele Diözesanbischöfe sitzen im britischen Oberhaus, usw. In Schweden zahlt der Staat die z.B. die Pastorengehälter.

Eine Staatskirche wird auch “etablierte Kirche” genannt.

In den meisten Staaten gilt inzwischen das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat, das aber sehr unterschiedlich ausgelegt und gehandhabt wird.

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Volkskirche

Als Volkskirche bezeichnet man ursprünglich eine Kirche, die sich als Kirche des ganzen Volkes versteht. In diesem Sinne spricht man zum Beispiel von Österreich als einem “katholischen Land”, weil in früheren Zeiten die Mehrzahl der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche angehörte, und die meisten Kinder kurz nach der Geburt katholisch getauft und damit automatisch ebenfalls zu Mitgliedern der r.-k. Kirche wurden.

Das hat sich insofern geändert, als nur mehr in wenigen Ländern die Mitgliedschaft in einer Kirche so allgemein üblich ist, daß man von Volkskirchen im Originalsinn sprechen kann; allerdings ist der Begriff nach wie vor nützlich, um Kirchen zu bezeichnen, die kleine Kinder taufen und diese dann, ohne daß eine weitere persönliche Glaubensentscheidung notwendig ist, als Mitglieder betrachten. (Theologisch gesehen, sollte z.B. in der röm.-kath. Kirche die Firmung, und in den evangelischen Volkskirchen die Konfirmation eine solche persönliche Glaubensentscheidung darstellen; in vielen Ländern ist dies jedoch genauso wie die Kindertaufe zu einem kulturell bedingten Schritt verkommen, der meist wenig mit persönlichem Glauben zu tun hat.)

In Österreich wird diese “volkskirchliche” Situation auch dadurch unterstützt, daß Konfessionszugehörigkeit ein Teil der offiziellen Personenstandsdaten ist, und man den Austritt aus einer staatlich anerkannten Kirche explizit vor der staatlichen Behörde erklären muß; das ist ein Schritt, den viele Menschen nicht unternehmen, auch wenn sie mit Glauben und Kirche nichts am Hut haben.

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