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Volkskirche

Als Volkskirche bezeichnet man ursprünglich eine Kirche, die sich als Kirche des ganzen Volkes versteht. In diesem Sinne spricht man zum Beispiel von Österreich als einem “katholischen Land”, weil in früheren Zeiten die Mehrzahl der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche angehörte, und die meisten Kinder kurz nach der Geburt katholisch getauft und damit automatisch ebenfalls zu Mitgliedern der r.-k. Kirche wurden.

Das hat sich insofern geändert, als nur mehr in wenigen Ländern die Mitgliedschaft in einer Kirche so allgemein üblich ist, daß man von Volkskirchen im Originalsinn sprechen kann; allerdings ist der Begriff nach wie vor nützlich, um Kirchen zu bezeichnen, die kleine Kinder taufen und diese dann, ohne daß eine weitere persönliche Glaubensentscheidung notwendig ist, als Mitglieder betrachten. (Theologisch gesehen, sollte z.B. in der röm.-kath. Kirche die Firmung, und in den evangelischen Volkskirchen die Konfirmation eine solche persönliche Glaubensentscheidung darstellen; in vielen Ländern ist dies jedoch genauso wie die Kindertaufe zu einem kulturell bedingten Schritt verkommen, der meist wenig mit persönlichem Glauben zu tun hat.)

In Österreich wird diese “volkskirchliche” Situation auch dadurch unterstützt, daß Konfessionszugehörigkeit ein Teil der offiziellen Personenstandsdaten ist, und man den Austritt aus einer staatlich anerkannten Kirche explizit vor der staatlichen Behörde erklären muß; das ist ein Schritt, den viele Menschen nicht unternehmen, auch wenn sie mit Glauben und Kirche nichts am Hut haben.